Vier Präsides, drei Dekane und das zweite Haus der Kirche

Vier Präsides, drei Dekane und das zweite Haus der Kirche

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Vier Präsides, drei Dekane und das zweite Haus der Kirche

Vor 24 Jahren nahm Christiane Westenberger-Grabold ihren Dienst im ehemaligen Dekanat Dreieich auf. Am Donnerstag, 17. Dezember, wird Dekan Steffen Held die langjährige Verwaltungsfachkraft im Rahmen einer Feierstunde um 15 Uhr im Dietzenbacher Haus der Kirche (Theodor-Heuss-Ring 52) offiziell verabschieden. Der anschließende Imbiss, zu dem das Evangelische Dekanat Dreieich-Rodgau einlädt, bietet Gelegenheit, ihr danke und Lebwohl zu sagen.

„Über viele Jahre hat Christiane Westenberger-Grabold mit hoher Fachkompetenz und ihrer den Menschen zugewandten Art unsere Verwaltung geprägt und unser Dekanats-Team bereichert“, hebt Dekan Steffen Held hervor. „Ihre vielfältigen Kenntnisse hat sie stets gewinnbringend und mit ganzem Herzen für ein gutes und erfolgreiches Miteinander eingebracht. Wir werden sie sehr bei uns vermissen und wünschen ihr für die Zeit des Ruhestandes alles Gute und Gottes reichen Segen.“

Begeisterung für die Musik

Als Tochter eines Pfarrers in Oberhessen aufgewachsen, war sie quasi in die Kirche hineingeboren worden: Ihre Mutter hatte eine gemeindepädagogische Ausbildung und unterstützte ihren Mann bei der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenarbeit, ihre Schwester spielte die Kirchenorgel, sie selbst sang in der Gemeinde und hielt Kindergottesdienst. „Wir waren wie ein kleines Familienunternehmen“, resümiert sie.

Als Kind lernte sie Klavier und Flöte, später engagierte sie sich auch als Sängerin in der Schulband sowie bei Musicals. Bereits in dieser Zeit hat sie ihren späteren Mann kennengelernt – beide eint die Musikbegeisterung, und sie standen schon als Jugendliche gemeinsam bei Aufführungen auf der Bühne. Nach dem Abitur in Grünberg trat die junge Frau 1979 in die Fußstapfen der eigenen Mutter und studierte Gemeindepädagogik an der evangelischen Hochschule Darmstadt. Damit legte sie den Grundstein für mehr als vier Jahrzehnte an unterschiedlichen Stellen in Diensten der Kirche.

Vielfältige Aufgaben innerhalb der Kirche

„Es zieht sich durch mein komplettes Berufsleben, dass mich stets Menschen begleiteten, die die nächste Chance für mich gesehen und mich darauf aufmerksam gemacht haben“, erinnert sie sich. Sie wiederum ergriff die Gelegenheiten, die sich ihr boten: Der Berufsanerkennung im Jahr 1983 folgte die erste Stelle als Jugendleiterin in einer Frankfurter Gemeinde, seit 1984 erteilte sie in dieser Funktion auch Religionsunterricht an Schulen.

1986 ging sie zur Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland (ACKD). In der Ökumenischen Centrale begleitete sie die vierteljährlich stattfindenden Tagungen der ACKD und vertrat die Interessen des Gremiums in der Jugendorganisation. Als Mitarbeiterin eines griechisch-orthodoxen Referenten kam sie nicht nur intensiv mit der Orthodoxie in Berührung, sondern lernte über ihre Tätigkeit ein breites Spektrum christlicher Kirchen in Deutschland kennen.

Wertvolles juristisches Fachwissen

Parallel schloss sie eine Ausbildung zur Prädikantin bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ab. 1989 wechselte sie zur Gemeindeberatung der EKHN in Frankfurt, wo sie künftig für Ausbildung und Inhalte der Beratungstätigkeit zuständig war. Zudem bekam sie wertvolle Einblicke in die Leitungsstrukturen innerhalb der Landeskirche. Durch ihre damalige Chefin Eva Renate Schmidt kam sie in intensiven Kontakt mit der feministischen Theologie, was sie dauerhaft beeinflusst hat.

Von 1993 an war sie in der Kirchenverwaltung der EKHN in Darmstadt im Referat Personal- und Organisationsförderung für Fortbildungen von Pfarrpersonen verantwortlich. Sie befasste sich mit Genehmigungen und Zuschüssen, beteiligte sich an der Erstellung des Fortbildungskatalogs und war eingebunden in die Organisation der Pastoralkollegs auf Propsteiebene. Unterdessen hatte sie berufsbegleitend eine Fortbildung zur Verwaltungsfachwirtin absolviert. „Während der Ausbildung habe ich festgestellt, dass mich juristische Fragen sehr interessieren“, weiß sie noch genau. Sie lernte, auf dieser Grundlage Gesetzestexte zu lesen, zu interpretieren und arbeitete sich intensiv ins Kirchenrecht ein. Schon tat sich die nächste berufliche Veränderung auf: Beim ehemaligen Dekanat Dreieich wurde eine Verwaltungsfachkraft gesucht.

Umsetzung der Dekanatsstrukturreform

Da sie mit Mann und Tochter inzwischen in Langen ansässig war, passte die neu geschaffene Stelle perfekt, am 1. Oktober 2002 kam Christiane Westenberger-Grabold an Bord. Da ihr Amtsantritt fast zeitgleich mit dem Beginn der Dekanatsstrukturreform zusammenfiel, kam ihr das zuvor erworbene juristische Fachwissen sehr zugute: „Bei den jahrelangen Auseinandersetzungen mit der neuen Rechtslage musste man sich auskennen, um die Reformen vor Ort gut umsetzen zu können“, denkt sie zurück.

Anfangs hatte sie ihren Arbeitsplatz noch am Standort Egelsbach im Pfarrhaus des damaligen Dekans Martin Diehl. 2003 erfolgte der Umzug nach Langen, wo die verschiedenen Arbeitsbereiche im Haus der Kirche zusammengeführt wurden. Hier saß sie fortan mit Dekan und Präses, Familienbildung Dekanatsjugendreferent und Dekanatssekretärin Moni Ewers unter einem Dach. Später kamen noch Kolleginnen und Kollegen der Erwachsenenbildung, Ökumene, Gesellschaftlichen Verantwortung und Öffentlichkeitsarbeit hinzu.

Dekanatssynodalvorstand, Haushalt und Pfarrstellenbemessung

Sie war Ansprechpartnerin für die Fach- und Profilstellen, Kirchenmusikerinnen sowie den Gemeindepädagogischen Dienst. „Mir war es immer sehr wichtig, die Kolleginnen und Kolleginnen dabei zu unterstützen, dass sie gut arbeitsfähig sind“, betont sie.

Viel Freude bereitete ihr die Tätigkeit für den Dekanatssynodalvorstand. In der langen Amtszeit von Dekan Reinhard Zincke war das Gremium zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen, der sie sich zugehörig fühlen durfte. „Es war schön, im freundschaftlich-vertrauensvollen Miteinander zu arbeiten“, sagt sie. Besonders gerne denkt sie an die Klausurtagungen zurück.

In ihren Verantwortungsbereich fielen auch Planung, Vollzug und Abrechnung des Dekanatshaushalts. Darüber hinaus hat sie Gespräche zum Kircheneintritt geführt und intensiv an der neuen Pfarrstellenbemessung mitgearbeitet. Als ein wichtiges Highlight während ihrer Tätigkeit in Langen nennt sie das erste Tauffest am Langener Waldsee 2011, das über das gesamte Rhein-Main-Gebiet ausstrahlte und bei dem sie selbst Haupt-Organisatorin war.

Jeder Leitungswechsel wie eine neue Stelle

Langeweile sei in all den Jahren nicht aufgekommen, meint die 66-Jährige. So sei der Fusionsprozess mit dem Nachbardekanat Rodgau eine spannende Zeit gewesen, die viele Veränderungen mit sich gebracht habe, nicht zuletzt den Umzug in das Haus der Kirche in der Kreisstadt Dietzenbach. Zudem habe sich für sie „jeder Leitungswechsel wie eine neue Stelle angefühlt“. Immerhin erlebt sie mit Steffen Held aktuell den dritten Dekan und mit Dr. Michael Grevel bereits den vierten Präses im Amt.

Für die Zeit des Ruhestands hat sie keine großen Pläne geschmiedet, will sich erst einmal mehr um ihre Gesundheit kümmern, außerdem die gemeinsame Zeit mit ihrem Mann und das Leben genießen. Sie freut sich darauf, Freunde zu treffen und ausreichend Zeit zum Lesen und für die Musik zu haben. Das ein oder andere Reiseziel lockt und das Ausprobieren von aufwendigeren Kochrezepten, worauf sich ihr Mann auch schon freut.

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