Weil Glaube nicht folgenlos bleibt: Ansgar Leber in neues Amt eingeführt

Weil Glaube nicht folgenlos bleibt: Ansgar Leber in neues Amt eingeführt

Weil Glaube nicht folgenlos bleibt: Ansgar Leber in neues Amt eingeführt

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Weil Glaube nicht folgenlos bleibt: Ansgar Leber in neues Amt eingeführt

Eigentlich war schon alles gesagt, was formal zu einer ordentlichen evangelischen Einführung gehört: Ansgar Leber hatte die Einführungsfrage beantwortet, die Dekanatsgemeinde ihm ihre Unterstützung zugesagt. Doch Propst Stephan Arras, der die Zeremonie leitete, machte scherzhaft auf eine letzte kirchenrechtliche Feinheit aufmerksam: Rechtskräftig werde die Berufung erst, wenn der neue stellvertretende Dekan seine Ernennungsurkunde berührt habe. Leber tat, was getan werden musste – und ein begeistertes Raunen ging durch die voll besetzte Evangelische Christuskirche Dietzenbach. Nun also wirklich: Pfarrer Ansgar Leber ist stellvertretender Dekan des Evangelischen Dekanats Dreieich-Rodgau. Und die Leute freuen sich auf ihn!

Neun Tage nach seinem Dienstbeginn am 1. August wurde der 34-Jährige in sein neues Amt eingeführt und dafür gesegnet. Dr. Michael Grevel, Präses der Dekanatssynode, begrüßte zahlreiche Menschen aus den Kirchengemeinden und Arbeitsbereichen des Dekanats, aus Ökumene, Politik und Gesellschaft. „Diese volle Kirche ist wunderschön zu sehen“, freute er sich.

Der „Neue“ ist längst kein Unbekannter

Der „Neue“ ist in der Region längst kein Unbekannter. Anfang 2022 trat Leber seine erste Pfarrstelle in der Evangelisch-Reformierten Gemeinde Am Marktplatz in Neu-Isenburg an. Seit 2023 ist er Dekanatsjugendpfarrer, seit 2025 gehört er dem Sprecherkreis des Reformierten Konvents der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau an. Am 15. Januar hatte ihn die Dekanatssynode mit großer Mehrheit zum Nachfolger von Pfarrerin Birgit Schlegel gewählt.

Propst Stephan Arras bescheinigte Leber ausdrücklich die Gabe für ein kirchliches Leitungsamt. Gerade in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen komme es darauf an, immer neu zu fragen, was die Frohe Botschaft für die Gegenwart bedeute. Als Zeichen dafür überreichte Arras eine gläserne Engelsfigur: Wie Licht durch Glas falle und dessen Farben und Facetten sichtbar mache, solle durch Menschen etwas von Gottes Gnade aufscheinen.

Eine Merkhilfe für das neue Amt lieferte der Propst gleich mit: „DEKAN“ könne schließlich auch heißen: „Der Eine Kann Alleine Nichts.“ Ansgar Leber werde auf viele haupt- und ehrenamtlich Engagierte angewiesen sein. Arras wünschte ihm, auch in schwierigen Zeiten das Lachen nicht zu verlernen.

Eine Kirche mit offenen Wänden und klarer Haltung

In seiner ersten Predigt als stellvertretender Dekan setzte Ansgar Leber klare Schlaglichter. Anlass dafür bot der Israelsonntag, ein fester Sonntag im evangelischen Kirchenjahr, der an die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens und die bleibende Verbundenheit mit dem Judentum erinnert. Jesus war Jude, lebte den Glauben Israels und lehrte die Tora. Deshalb könne die Kirche nicht so tun, als sei sie an die Stelle Israels getreten. Gottes Bund mit seinem Volk bleibe bestehen.

Dass die Kirche dies über Jahrhunderte missachtet und schwere Schuld auf sich geladen hat, führte für Leber unmittelbar in die Gegenwart: Wie lässt sich verhindern, dass sie erneut schuldig wird? „Nie wieder“ sei kein Satz nur für Gedenktafeln. Kirche dürfe nicht schweigen, wenn Menschen Angst haben müssten.

„Nicht auf Strukturen und Ämtern“ gründe die Kirche, sondern auf Gott. Und Glaube bleibe nicht folgenlos: „Die Früchte des Glaubens sind Taten.“ Deshalb müsse Kirche den Mund aufmachen, wenn Menschen ausgegrenzt, herabgesetzt oder bedroht werden – ob Jüdinnen und Juden, Migrantinnen und Migranten, arme Menschen oder die queere Community.

Leber träumt von einer Kirche als offenem Raum ohne Wände, in dem Menschen aufatmen und ihre Gaben einbringen können. Junge Menschen sind darin nicht erst Zukunft, sondern Gegenwart. Und 'offen' heiße nicht 'beliebig': „Ich wünsche mir eine Kirche, in der alle Menschen willkommen sind, aber nicht alle Meinungen. Worte, die andere herabsetzen, bloßstellen, kränken oder kleinmachen, haben bei Gott keinen Raum."

Zwischen Dekanat und Gemeinde

Mit einer halben Stelle wird Leber künftig gemeinsam mit Dekan Steffen Held das Dekanat hauptamtlich und theologisch leiten. Inhaltlich übernimmt er unter anderem die Verantwortung für den Gemeindepädagogischen Dienst, Die Evangelische Familienbildung sowie der Lektorinnen und Prädikanten, also die etwa 50 Menschen im Dekanat, die sich ehrenamtlich in der Verkündigung und im Gestalten von Gottesdiensten engagieren. Mit der anderen Hälfte arbeitet er weiter als Gemeindepfarrer in Neu-Isenburg. Zudem bleibt er Dekanatsjugendpfarrer.

Geboren im Odenwald und aufgewachsen im Rhein-Main-Gebiet, studierte der Sohn einer Pfarrerin Evangelische Theologie in Hamburg, Berlin und Mainz. Er arbeitete unter anderem in Gastronomie und Verkauf, führte Gäste durch den Hamburger Michel und die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und begleitete Gruppen im Frankfurter Bibelhaus. Nach dem Vikariat in Wiesbaden-Naurod und am Agaplesion-Institut für Diakonie, Theologie und Ethik führte ihn sein Weg nach Neu-Isenburg. Dort lebt er mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter.

Äpfel, Aussichten und gute Wünsche

Beim anschließenden Empfang dankte Dekan Steffen Held Leber für die Klarheit seiner Predigt. Er freue sich, dass die reformierte Tradition im Dekanat nun „mehr Gewicht und Gesicht“ bekomme. Für den Hobby-Apfelweinkelterer gab es Äpfel in fester und flüssiger Form, ein „Geripptes“ des Dekanats und einen Gutschein für einen Apfelbaum. Da auch Held selbst ein begeisterter Kelterer ist, könnte damit zugleich die Grundlage für ein gemeinsames Stöffsche-Projekt gelegt sein. Held wünschte seinem neuen Stellvertreter Gottvertrauen, Lebensfreude, Hoffnung und Zuversicht – „in Luthers und in Calvins Sinne“.

Dr. Dieter Lang, Bürgermeister der Kreisstadt Dietzenbach, überbrachte die Glückwünsche der Stadt und ihrer Gremien. Landrat Oliver Quilling machte Kirchenleitung und Dekanat ein deutliches Kompliment: „Sie haben gut gewählt.“ Mit Leber übernehme ein aufgeschlossener Pfarrer Verantwortung, der auf Menschen zugehe und sie gewinnen könne. Politik und Kirche verbinde die Aufgabe, Menschen zusammenzuführen und Solidarität zu stiften.

Dekan Raimund Wirth aus dem Evangelischen Dekanat Darmstadt prophezeite Leber veränderte Terminlogiken, steigende Erwartungen an seine Ideen für die Zukunft der Kirche und eine wachsende Bedeutung von Kompromiss und Maß. Weitere Grüße überbrachten unter anderen Torsten Irion, Vorsitzender des Kirchenvorstands der Evangelisch-Reformierten Gemeinde Am Marktplatz, Mareike Tisch vom Agaplesion Simeonstift und zugleich für den Hessischen Diakonieverein sowie Andrea Klem und Franziska Göbel für die Mitarbeitendenvertretung des Dekanats.

Den Gottesdienst gestalteten neben Propst Stephan Arras und Dekan Steffen Held auch Präses Dr. Michael Grevel, sein Stellvertreter Dr. Rainer Hollmann, Brigitte Jahn-Lennig als Mitglied im Kirchen- und im Dekanatsvorstand, Gemeindepfarrerin Andrea Schwarze, die Dietzenbacher Kirchenvorstandsvorsitzende Ute Zanger  und die Leiterin der Evangelischen Familienbildung und Gemeindepädagogin Elke Preising. Die Kantorinnen Elke Meyer und Elvira Schwarz, ein Projektchor sowie der Neu-Isenburger Posaunenchor unter der Leitung von Torsten Irion sorgten für die musikalische Gestaltung.

Ansgar Leber beginnt sein neues Amt in einer Zeit großer Veränderungen, aber keineswegs allein. Er bringt Erfahrungen aus Gemeinde, Jugendarbeit, Verkündigung und Diakonie mit – und die Überzeugung, dass Kirche dort sichtbar sein muss, wo das Leben spielt.

Die Ernennungsurkunde hat er berührt. Jetzt kann es losgehen.

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