Himmlische Freiheit

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# ANgeDACHT

Himmlische Freiheit

ANgeDACHT für Oktober 2026 von Kathrin Brozio, Pfarrerin in Hainburg


Monatsspruch Oktober:

Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! (Galater 5,1)


Freiheit – da muss ich an den Himmel in seiner großen Weite denken. Wenn ich in den Himmel sehe, entdecke ich keinen Anfang und kein Ende, keine Grenzen. Dieser Blick nach oben tut mir gut in Momenten, wenn ich mich in mir selbst gefangen fühle; wenn ich mir Sorgen über etwas oder um jemanden mache und nicht aus den schweren Gedanken herausfinde. Wenn ich in den Himmel schaue, kommt etwas Neues in mein Blickfeld, und es weitet sich auch etwas in mir.  

Freiheit – ein großes und schönes Wort. Es zieht sich durch die Bibel. Die Geschichte von der Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten zeigt besonders eindrücklich, wie Gott Menschen in die Freiheit führt. Wir Menschen sollen frei und aufrecht leben können.

Für den Apostel Paulus ist es ein Herzensanliegen, dies auch den Christinnen und Christen in den Gemeinden in Galatien zu vermitteln. Er schickt ihnen einen Brief, weil er fürchtet, dass neue Missionare ihnen Vorschriften auferlegen, die sie unfrei machen.

Darum schreibt er: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Er erinnert sie an die Freiheit, die in der Mitte des Menschen beginnt: dort, wo Jesus Christus mein Leben prägt; wo er mich mit Liebe erfüllt. Christus hat mich erlöst. Deshalb muss ich keine Norm erfüllen und keine frommen Bedingungen.   

Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!

Ich fühle mich bei diesen Worten ertappt. Obwohl ich mich in vielem frei entscheiden könnte, verhalte ich mich oft so, als wäre ich nicht wirklich frei. Was denken die anderen? War ich gut genug? Darf ich „Nein“ sagen?  Und obwohl ich Gottes Liebe in mir trage, ist mein Herz immer wieder auch eng und sorgenvoll.

Frei und gefangen – gefangen und frei. Beides steht manchmal im Leben nah zusammen.

Bei Etty Hillesum habe ich dazu Worte gefunden, die mich sehr berühren. Sie war eine junge jüdische Niederländerin und schrieb in der der Zeit der nationalsozialistischen Besatzung Tagebücher. Sie beschreibt darin, wie sie trotz der zunehmenden Verfolgung und der immer weiter eingeschränkten äußeren Freiheit nach einer inneren Freiheit sucht und sie auch immer mehr findet. Ein Eintrag lautet:

Ich radelte heute Morgen die Stadionkade entlang, …und überall Schilder, die den Juden die Wege in die freie Natur versperrten. Aber über diesem Teil des Wegs, der uns noch bleibt, erstreckt sich auch der gesamte Himmel. Man kann uns nichts anhaben.  Man darf gewiss manchmal traurig und niedergeschlagen über das uns Angetane sein, das ist menschlich und verständlich. Aber trotzdem: Ich finde das Leben schön und fühle mich frei. Der Himmel in mir ist genauso weit aufgespannt wie derjenige über mir. Ich glaube an Gott und ich glaube an die Menschen, und allmählich traue ich mich, dies offen und ohne falsche Scham zu sagen.     

Diese Worte beeindrucken und ermutigen mich. Auch wenn die Lebensumstände von Etty Hillesum ganz andere sind als unsere und die Einschränkungen, die sie erlebt hat, viel massiver sind – auch über uns und dem, was uns beengt und bedrängt, erstreckt sich der ganze Himmel, wie sie es ausdrückt.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Dieser Satz begleitet uns durch diesen Monat. Möge Gott uns solche Weite schenken – im Herzen, im Denken und Handeln, in unserem ganzen Leben.

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