24/03/2026 0 Kommentare
59-mal "Ja": Dekan Steffen Held einstimmig im Amt bestätigt
59-mal "Ja": Dekan Steffen Held einstimmig im Amt bestätigt
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59-mal "Ja": Dekan Steffen Held einstimmig im Amt bestätigt
Es sind Momente, in denen selbst altgediente Synodale kurz innehalten: Als das Wahlergebnis verkündet wurde, war schnell spürbar, dass dieser Abend mehr war als eine Sammlung von Tagesordnungspunkten. Steffen Held bleibt Dekan des Evangelischen Dekanats Dreieich-Rodgau – mit Applaus im Anschluss und einem Votum, das auch bei Wiederwahlen Seltenheitswert hat: 59 Stimmen, 59-mal "Ja".
Die II. Synode des Evangelischen Dekanats Dreieich-Rodgau war am vergangenen Freitagabend in der Jügesheimer Emmausgemeinde unter der Leitung von Präses Dr. Michael Grevel zur Frühjahrstagung zusammengekommen. Propst Stephan Arras eröffnete die Tagung mit einer Andacht und führte später auch in das umfangreiche Benennungs- und Wahlverfahren ein.
Ein „brennendes Herz" und die Vorfreude auf den „zweiten Frühling“
Steffen Held selbst machte in seiner Bewerbungsrede sehr persönlich deutlich, warum er erneut kandidiert: „Mein Herz brennt noch für die Sache Jesu, für unser Dekanat, für meinen Dienst und damit für Sie und euch.“ Und er verband seine Bereitschaft zur Wiederwahl mit einem Bild, das sich durch die ganze Rede zog: Er stehe für einen „zweiten Frühling“ zur Verfügung.
Held sprach über Kirche in einer Zeit, die viele als anstrengend erleben: Reformprozesse, Sparzwänge, Austritte, sinkende Mitgliederzahlen und die Erfahrung, dass Glaube und Kirche für viele Menschen nicht mehr von großer Bedeutung sind. Er verschwieg nicht, dass es auch Momente gebe, in denen sich die Freude am Amt in Grenzen halte. Gerade deshalb griff er die biblisch-österliche Emmaus-Geschichte auf, in der die Jünger Jesu nach dessen Kreuzigung fliehen und erst auf dem Weg mit Gottes Gegenwart wieder neue Orientierung gewinnen.
Zugleich lenkte er den Blick bewusst auf das, was in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu kurz komme. Während große Schlagzeilen häufig um Krisen, Rückgänge und Konflikte kreisten, werde vielerorts im Alltag der Kirche ganz konkret, erfolgreich und im Dienst für den Nächsten gearbeitet: in Gottesdiensten, in der Seelsorge, in Bildungsangeboten, in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien, in der Diakonie, in Kitas, Altenheimen, Hospizen oder der Notfallseelsorge. Wenn all das fehlte, so machte Held deutlich, käme der Region und ihren Menschen unermesslich viel abhanden.
Rückblick auf fünf Jahre gemeinsamer Arbeit
Ein wichtiger Teil der Rede war der Rückblick auf die vergangenen Jahre. Held erinnerte daran, dass aus zwei Dekanaten mit ihren Arbeitsbereichen, Strukturen und Eigenheiten seit der Fusion im Jahr 2021 eine echte Einheit geworden sei. Gleichzeitig zog er eine klare Bilanz: Es sei gelungen, Prozesse mit Teilhabe und Transparenz zu gestalten, echte Mitwirkung zu ermöglichen und dennoch Verabredungen verlässlich umzusetzen.
Gerade darin lag ein Kern seiner Argumentation für die Wiederwahl. Nicht im Ausblenden der Schwierigkeiten, sondern in dem Hinweis, dass das Dekanat in den vergangenen Jahren zusammengewachsen und auch belastende Transformationsprozesse gemeinsam angegangen sei. Held sprach dabei ausdrücklich von Dankbarkeit für das Miteinander und für das, was beruflich und ehrenamtlich Engagierte im Zusammenspiel vor Ort, in Nachbarschaften und im Kirchenkreis erreicht hätten.
Zur Person: Dekan Steffen Held
Der 50-jährige Theologe wurde 2021 zum ersten Dekan des fusionierten Dekanats Dreieich-Rodgau gewählt. Geboren in Offenbach und aufgewachsen in Frankfurt, studierte er evangelische Theologie in Frankfurt und Marburg. Seine erste Pfarrstelle trat er 2005 in Bensheim-Auerbach an, 2007 wechselte er nach Langen. Dort gestaltete er die Entwicklung der Kirchengemeinde maßgeblich mit, die 2014 aus vier Gemeinden fusionierte. Seit 2018 ist Held zudem als Schulpfarrer an der Dreieichschule Langen tätig. Er lebt mit seiner Frau Sandra, einem Sohn und einer Tochter in Langen.
Andacht über Aufbruch und Abschied
Dass dieser Abend nicht nur von Wahlen und Beschlüssen geprägt war, zeigte schon der Auftakt. Propst Stephan Arras hatte seine Andacht unter das Thema Aufbruch gestellt. Darin griff er die Figur des heiligen Patrick auf, weil dessen Lebensgeschichte exemplarisch für den Mut zum Aufbruch steht – für das Loslassen von Vertrautem und das Vertrauen darauf, dass gerade in Zeiten des Umbruchs Neues wachsen kann.
Ausgehend vom kürzlich vor allem im englischsprachigen Raum gefeierten St.-Patrick’s-Day erinnerte er an den Mut, Bekanntes hinter sich zu lassen – und daran, dass Aufbruch immer auch mit Abschied und Schmerz verbunden sein kann. Mit Blick auf die Lage der Kirche sagte er, auch der Transformationsprozess EKHN 2030 sei kein Endpunkt, sondern ein neuer Anfang.
Doppelhaushalt 2026/27: weniger Spielraum, aber auch neue Projekte
Breiten Raum nahm in der Synode auch der Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 ein. Rolf Müller vom Dekanatssynodalvorstand und Verwaltungsfachkraft Claudia Batterham machten in ihrer Präsentation deutlich, dass vor allem sinkende Gemeindegliederzahlen um inzwischen rund drei Prozent pro Jahr die Planungen beeinflussen. Das Haushaltsvolumen liegt bei über 30 Millionen Euro pro Jahr. Deutlich mehr als zwei Drittel entfallen dabei auf Personalkosten, hinzu kommen Mittel für den laufenden Betrieb – insbesondere der 19 evangelischen Kindertagesstätten zwischen Langen und Seligenstadt in Trägerschaft des Dekanats.
Für 2027 kämen weitere strukturelle Veränderungen hinzu: Im Verwaltungsbereich des Dekanats sind Reduzierungen auf eine Verwaltungsfachkraft- und eine Sekretariatsstelle vorgesehen, außerdem wird die bereits beschlossene Reduzierung einer 0,5-Fachstelle Bildung umgesetzt. Auch im gemeindepädagogischen Dienst ist bis 2030 ein Abbau von 2,0 Stellen vorgesehen, ein Teil davon werde nun bereits wirksam.
Gleichzeitig zeigte die Haushaltsberatung, dass das Dekanat nicht nur verwaltet, sondern auch neue Schwerpunkte setzt. Ein Beispiel dafür ist die neue Stelle für Klimaschutzkoordination. Der stellvertretende Präses Dr. Rainer Hollmann erläuterte die Rahmenbedingungen der vierjährigen Projektstelle, die größtenteils aus Mitteln des Bundes und der hessen-nassauischen Landeskirche finanziert wird. Die Stelle soll Kirchengemeinden bei Bestandsaufnahmen sowie bei der Planung, Finanzierung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen unterstützen. 17 von der 27 Kirchengemeinden des Dekanats wollen schon jetzt dabei sein, weitere können noch hinzukommen. Am Ende beschloss die Synode den Doppelhaushalt 2026 und 2027 in der vorgelegten Form.
Energieversorgung: neue Arbeitsgruppe soll Lösungen suchen
Aus dem Kreis der Kirchengemeinden kam das Thema „Energieversorgung". Die Synodale Mareike Bleisinger brachte aus Obertshausen die Frage nach preisgünstigeren und lokalen Alternativen zu dem Anbieter ein, mit dem die Landeskirche vor einigen Jahren einen Rahmenvertrag zur Energieversorgung abgeschlossen hatte. Eine Arbeitsgruppe, in der auch die künftige Klimakoordinationsstelle mitwirken soll, wird nun Möglichkeiten fachlich und rechtlich prüfen und eine Vorlage für die Herbsttagung der Dekanatssynode erarbeiten.
Jugenddelegierte: Verabschiedung und Nachwahl
Auch Personalentscheidungen jenseits der Dekanewahl spielten eine Rolle. Verabschiedet wurde Jacqueline Wild, die sechs Jahre lang als Jugenddelegierte in der Synode engagiert war und die Arbeit des gemeindepädagogischen Teams im zuständigen synodalen Ausschuss und in Arbeitsgruppen begleitet hatte.
Präses Dr. Michael Grevel würdigte in diesem Zusammenhang ausdrücklich das Engagement junger Menschen in kirchlichen Gremien sowie deren Bereitschaft, dort Verantwortung zu übernehmen und die Anliegen junger Menschen einzubringen. Als neue stellvertretende Jugenddelegierte wurde anschließend Lena Misbach gewählt. Sie unterstützt künftig das Engagement der Jugenddelegierten Anna Kleinsorge und Lara Funk.
Kirchentagsbeauftragte: Erika Neudert gewählt
Neu besetzt wurde auch das Amt der Kirchentagsbeauftragten. Frei geworden war die Stelle als Nachfolge von Mareike Löwenstein. Gewählt wurde die Rödermärkerin Erika Neudert, die künftig gemeinsam mit Pfarrerin Stefanie Keller aus Langen sowie Präses Dr. Michael Grevel und Rolf Müller als Stellvertretern im Team arbeiten wird.
Auf der Tagesordnung standen damit vielfältige Themen: geistliche Orientierung, finanzielle Einschnitte, Klimaschutz, Energieversorgung und personelle Weichenstellungen. Dass Steffen Held mit 59 von 59 Stimmen im Amt bestätigt wurde, war nicht nur ein formaler Abschluss eines langen Wahlverfahrens. Es war ein deutliches Signal des Vertrauens dieser Synode. Oder, mit seinen eigenen Worten: ein einmütiges „Ja“ zu jemandem, dessen Herz immer noch für die Kirche mitten in Rhein-Main brennt – und der bereit ist für einen „zweiten Frühling“.
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