Auf Distanz zur Demokratie? Seminare zur Zukunft der liberalen Demokratie

Auf Distanz zur Demokratie? Seminare zur Zukunft der liberalen Demokratie

Auf Distanz zur Demokratie? Seminare zur Zukunft der liberalen Demokratie

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Auf Distanz zur Demokratie? Seminare zur Zukunft der liberalen Demokratie

Demokratie verschwindet nicht unbedingt mit einem Putsch oder einem sichtbaren Bruch. Sie kann auch schleichend von innen ausgehöhlt werden – durch gewählte Vertreter*innen, die Misstrauen gegenüber Parlamenten, Justiz und freien Medien säen, gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielen und menschenverachtende Positionen Schritt für Schritt in den Bereich des vermeintlich Normalen verschieben. Weltweit zeigt sich, dass demokratische Wahlen allein noch keine liberale Demokratie garantieren.


Seminar 1:
„Politische Werte und Leitbilder im Spiegel der Gegenwart“
Termin: Donnerstag, 17. September, 10 bis 16 Uhr
Mitwirkende: Dr. Linda Sauer, Paola Fabbri Lipsch und Dr. Christiane Wessels
Anmeldeschluss: Mittwoch, 2. September
Information und Anmeldung:
https://www.zbg-ekhn.de/veranstaltungen/kurs/Praesenz-Politische-Werte-und-Leitbilder-im-Spiegel-der-Gegenwart/2026-D-118

Seminar 2:
„Die Philosoph*innen und die Demokratie: Von guten Ideen und trüben Aussichten“
Termin: Donnerstag, 24. September, 10 bis 16 Uhr
Mitwirkende: Dr. Geert Hendrich und Dr. Christiane Wessels
Anmeldeschluss: Mittwoch, 9. September
Information und Anmeldung:
https://www.zbg-ekhn.de/veranstaltungen/kurs/Praesenz-Die-Philosophinnen-und-die-Demokratie-Von-guten-Ideen-und-trueben/2026-D-125
Ort: Zentrum Bildung und Gesellschaft der EKHN, Heinrichstraße 173, 64287 Darmstadt

Teilnahmebeitrag: jeweils 65 Euro inklusive Mittagsimbiss


Doch Demokratie besteht nicht nur aus Wahlen, Mehrheiten und politischen Institutionen. Sie lebt ebenso von ungeschriebenen Regeln: von Toleranz, Respekt, Fairness und der Bereitschaft, andere als politisch Gleichberechtigte anzuerkennen. Wenn diese Grundlagen brüchig werden, betrifft das nicht allein Parlamente und Parteien. Es verändert den Umgang in Gemeinden, Teams und Gremien, die öffentliche Debatte und letztlich das alltägliche Zusammenleben.

Zwei Seminare des Zentrums Bildung und Gesellschaft der EKHN bieten im September Gelegenheit, genauer hinzusehen. Sie fragen danach, was Demokratie im Kern ausmacht, wie persönliche und gesellschaftliche Wertvorstellungen entstehen und sich verändern und ob angesichts aktueller Konfliktlinien noch ein gemeinsamer Wertekonsens möglich ist. Beide Veranstaltungen lassen sich unabhängig voneinander besuchen.

Im Seminar „Politische Werte und Leitbilder im Spiegel der Gegenwart“ am Donnerstag, 17. September, geht es darum, wie Werte unser tägliches Handeln und das gesellschaftliche Zusammenleben prägen – bewusst oder unbewusst. Werte begründen Entscheidungen, stützen politische Forderungen und helfen bei der Orientierung. Zugleich geraten sie immer wieder miteinander in Konflikt, etwa wenn Meinungsfreiheit und Minderheitenschutz, Umweltschutz und Wirtschaftswachstum oder Klimaschutz und Mobilität gegeneinander abgewogen werden müssen.

Gemeinsam mit der Politikwissenschaftlerin Dr. Linda Sauer sowie Paola Fabbri Lipsch und Dr. Christiane Wessels beschäftigen sich die Teilnehmenden mit persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Wertvorstellungen sowie den Werten des Grundgesetzes. Diskutiert werden aktuelle Leitbilder, gesellschaftliche Konfliktlinien und die Frage nach einem gemeinsamen Wertekonsens. Das Werte- und Entwicklungsquadrat nach Schulz von Thun eröffnet außerdem einen praktischen Zugang dazu, welche Rolle Werte in Kommunikation und Verständigung spielen. Damit ist das Seminar auch für alle interessant, die beruflich oder ehrenamtlich Gespräche moderieren, Entscheidungen vorbereiten oder mit sehr unterschiedlichen Positionen umgehen müssen.

Das Seminar „Die Philosoph*innen und die Demokratie: Von guten Ideen und trüben Aussichten“ am Donnerstag, 24. September, setzt grundsätzlicher an. Der Philosophie-Dozent Dr. Geert Hendrich zeichnet nach, wie sich die Idee der Volksherrschaft zum Modell eines offenen, liberalen Rechtsstaats entwickelt hat. Dabei geht es um weit mehr als die Herrschaft einer Mehrheit: Zur liberalen Demokratie gehören ebenso Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Minderheitenschutz sowie Kunst- und Pressefreiheit.

Der Studientag fragt, weshalb Teile der Gesellschaft bereit sind, dieses Modell zugunsten einer scheinbar einfachen Durchsetzung eigener Interessen preiszugeben. Zugleich nimmt er Vorschläge der Gegenwartsphilosophie in den Blick, die zur Stärkung der Demokratie beitragen können. Wer politische Debatten besser einordnen, die oft widersprüchliche Verwendung des Demokratiebegriffs durchschauen und die eigenen Argumente schärfen möchte, erhält hier historische Orientierung und Denkanstöße für aktuelle Auseinandersetzungen.

Beide Seminare versprechen keine einfachen Rezepte. Sie schaffen aber Raum, genauer zu unterscheiden, Begriffe zu klären und die eigenen Maßstäbe zu überprüfen. Das ist gerade dort wichtig, wo Menschen Verantwortung übernehmen, Diskussionen gestalten und demokratisches Miteinander im Alltag mit Leben füllen.

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