Altersfrische statt Vergänglichkeit

Altersfrische statt Vergänglichkeit

Altersfrische statt Vergänglichkeit

# ANgeDACHT

Altersfrische statt Vergänglichkeit

ANgeDACHT für November 2026 von Peter Meier-Röhm, Pfarrer für Altenseelsorge im Dekanat und im Evangelischen Hospiz Frankfurt


Von meiner Großmutter weiß ich noch, wie sie manchmal sagte: „Jetzt ist schon wieder November. Bald kommt Weihnachten und ein neues Jahr!“  - Ihre Worte klangen für mich immer dankbar und erwartungsfroh.

Beim Dienst in Pflegeheimen treffe ich alte Menschen in Gottesdiensten. Dann kommen wir miteinander und mit Gott ins Gespräch, zum Beispiel über Psalm 92,15:

„Und wenn sie auch alt werden,
werden sie dennoch blühen,
fruchtbar und frisch sein.“

Reaktionen der Bewohner:innen waren: „Schön wär’s … “, und „Mein Spiegel sagt mir morgens aber was anders“, und „Das stimmt, aber nur nach dem Duschen…“.     

Die Vorstellung vom guten Leben verbindet sich eben meistens mit vitaler Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Psalm 92,15 spricht dagegen von Altersfrische statt Vergänglichkeit!

Denn für Gott sind unsere Würde und Wertschätzung altersunabhängig.

Psalm 92 vergleicht gläubige Menschen mit grünen Palmen und wachsenden Zedern. Was für ein schönes Bild! Diese Bäume werden im Alter weder schwach noch morsch, weil sie tiefe Wurzeln haben. Und wir selbst? - Lassen wir uns einladen, Entdeckungen zu machen!  

Blühen im Alter bedeutet: Erinnerungen und Dankbarkeit für Erlebtes halten jung. Mag der Lauf des Lebens den menschlichen Körper zwar schwächen, aber der Glaube, seine Hoffnungen und, sich mit lieben Menschen verbunden fühlen, all das bietet die Chance, jeden Tag neu aufzublühen.

Früchte des Alters sind andere als die in der Jugend. Es sind Weisheit und Gelassenheit. Oft auch Empfindungen inneren Friedens und tiefen Glaubens; gewachsen aus persönlichen Lebenserfahrungen. Alles wertvolle Angebote für nachfolgende Generationen.

Erfrischt werden und frisch sein, beschreibt innere Zuversicht, deren Quelle in Gott liegt. Seele und Geist fühlen, sie sind durch Gottes Liebe unabhängig von nachlassenden Kräften; sogar über die irdische Zeit hinaus.

„Bis hierher hat mich Gott gebracht (EG 329) … und den Rest schaffen wir ZWEI auch noch!“ – Das ist mein Lieblingsspruch aus der Schatzkiste des großartigen Glaubens meiner Oma Mathilde.

Dankbar bin ich, im Evangelischen Hospiz und den Altenheimen unseres Dekanats immer wieder auf Menschen zu treffen, die es genauso empfinden. Das sind unsere Vorbilder im Glauben; denn wenn sie auch alt geworden sind, blühen sie, bringen Frucht, sind und bleiben frisch unter Gottes Segen.

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