Als Apostel männlich wurden - Ausstellung im Bibelhaus bis 27. Juni

Als Apostel männlich wurden - Ausstellung im Bibelhaus bis 27. Juni

Als Apostel männlich wurden - Ausstellung im Bibelhaus bis 27. Juni

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Als Apostel männlich wurden - Ausstellung im Bibelhaus bis 27. Juni

Die Kabinettausstellung „Vergessene Frauen“ im Bibelhaus Erlebnis Museum widmet sich einem bislang wenig beachteten Aspekt der Bibelüberlieferung: der Frage, wie Frauenfiguren in neutestamentlichen Texten im Laufe der Jahrhunderte verändert oder unsichtbar gemacht wurden. Grundlage der Ausstellung ist das Forschungsprojekt „GenderVarianten digital“, an dem Wissenschaftler*innen der Universität Rostock, der Hochschule Wismar und der Evangelischen Hochschule Hessen beteiligt sind.

Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 27. Juni, zu sehen. Neben einem Film zur Funktionsweise des „TextVariant-Explorers“ werden unter anderem eine griechische Evangelienhandschrift aus dem 13. Jahrhundert, eine Ikone zur bis heute lebendigen Junia-Tradition in Griechenland sowie verschiedene Ausgaben des griechischen Neuen Testaments gezeigt. An ihnen lässt sich nachvollziehen, wie sich die wissenschaftliche Sicht auf einzelne Bibelstellen im Laufe der Zeit verändert hat.

Im Zentrum steht der sogenannte „TextVariant-Explorer“, ein digitales Analysewerkzeug, das mehr als 831.000 altgriechische Versvarianten des Neuen Testaments untersucht. Das Programm könne Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Auslassungen in der Textüberlieferung sichtbar machen, erläuterte der Wismarer Informatik-Professor Frank Krüger bei der Ausstellungseröffnung.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen nach Angaben der Forschenden eine auffällige Tendenz: Weibliche Namen wurden im Verlauf der Überlieferung häufiger in männliche umgewandelt als umgekehrt. Der Rostocker Neutestamentler Zacharias Frey-Shoukry verwies dabei auf die von Paulus erwähnte Apostolin Junia im Römerbrief (Röm 16,7), die lange Zeit als männlicher „Junias“ übersetzt worden sei. Auch an anderer Stelle gebe es Unterschiede zwischen Bibelübersetzungen: Während die Schlachter-Bibel in Kolosser 4,15 von „Nymphas“ spricht, nennt die Lutherbibel dort entsprechend neuerer Forschung die vermutlich ursprüngliche weibliche Form „Nympha“.

Die Rostocker Neutestamentlerin Soham Al-Suadi sieht darin einen Hinweis darauf, dass Geschlechterfragen die Auslegung biblischer Texte seit jeher beeinflusst hätten. Die Überlieferungsgeschichte des Neuen Testaments zeige, dass biblische Texte nie völlig statisch gewesen seien. „Wir müssen es aushalten, dass es verschiedene Varianten in der biblischen Überlieferung gibt“, sagte sie.

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