30 Jahre „Erste Hilfe an der Seele“: Wenn nach dem Einsatz jemand bleibt

30 Jahre „Erste Hilfe an der Seele“: Wenn nach dem Einsatz jemand bleibt

30 Jahre „Erste Hilfe an der Seele“: Wenn nach dem Einsatz jemand bleibt

# Neuigkeiten

30 Jahre „Erste Hilfe an der Seele“: Wenn nach dem Einsatz jemand bleibt

Seit 30 Jahren begleiten Notfallseelsorge und Krisenintervention Menschen in Stadt und Kreis Offenbach durch die ersten Stunden einer Krise. Bei einem ökumenischen Blaulichtgottesdienst in Urberach wurde deutlich, wie viel dieser Dienst für Betroffene und Einsatzkräfte bedeutet.

© kf

An ihren lila Westen und Jacken sind sie am Einsatzort sofort zu erkennen. „Notfallseelsorge“, „Krisenintervention“ oder „Psychosoziale Notfallversorgung“ steht darauf. Sie kommen nach einem plötzlichen Todesfall, einem schweren Unfall, einem Brand oder einem Gewaltverbrechen. Während Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei ihre Aufgaben erfüllen, kümmern sie sich ehrenamtlich um Angehörige, Betroffene und Augenzeugen. Und oft sind sie noch da, wenn die anderen Einsatzkräfte ihre Arbeit beendet haben.

Seit 30 Jahren gibt es diese Hilfe nun in Stadt und Kreis Offenbach. Das Jubiläum feierten die Aktiven am Donnerstagabend mit einem ökumenischen Blaulichtgottesdienst in der katholischen Pfarrkirche St. Gallus in Urberach. Unter dem Motto „Wenn alles durcheinandergerät – gemeinsam und solidarisch in der Krise“ kamen Menschen aus Notfallseelsorge und Krisenintervention, Feuerwehr, Rettungs- und Hilfsdiensten, Polizei und Technischem Hilfswerk zusammen. Drei neue Mitarbeiterinnen erhielten Gottes Segen für ihren Dienst. Zugleich verabschiedete das Team Pfarrer Klaus Gäbler nach vielen Jahren engagierter Mitarbeit.

„Du bist nicht allein“

„Manchmal sind es ganz kleine Dinge, die Großes bewirken können“, sagte Steffen Held, Dekan des Evangelischen Dekanats Dreieich-Rodgau, in seiner Predigt. Ein gutes Wort, ein freundlicher Blick, eine ausgestreckte Hand: In einer Krise könne das einem Menschen zeigen, dass er nicht allein ist. Oft gehe es darum, einfach da zu sein, zuzuhören und eine schwere Situation mit auszuhalten. Held dankte allen, die für andere Menschen in den Einsatz gehen, ihre Zeit und Kraft einsetzen, Risiken auf sich nehmen und mitunter auch Anfeindungen erleben. Sein Dank galt der gesamten „Blaulichtfamilie“.

Dass auch Einsatzkräfte selbst solche Unterstützung brauchen können, machte Christian Buchold mit einer sehr persönlichen Erinnerung deutlich. Der Leiter der Langener Feuerwehr und Stadtbrandinspektor berichtete von einem Einsatz aus seiner Zeit als junger Feuerwehrmann.

Damals habe er noch gedacht: „Ich kann Menschen aus allen erdenklichen Lagen retten, mich bringt erst mal nix so schnell in die Ecke.“ Nach dem Suizid einer Frau sollte er ihr Kind betreuen, das die Mutter tot aufgefunden hatte. „Kümmre dich mal um den Jungen“, lautete der Auftrag. Buchold wollte helfen, doch er merkte, dass er mit dieser Situation überfordert war. „Ich bin da an die Grenzen meines Könnens gekommen. Und das vergesse ich nicht“, sagte er. Dann sah er zwei Menschen in lila Westen über die Straße kommen. Sie nahmen sich des Jungen an – und nahmen zugleich wahr, wie es dem jungen Feuerwehrmann ging. „Die haben nicht nur dem Jungen geholfen, sondern auch mir.“ Für Buchold gehören sie seither selbstverständlich dazu: „Für mich seid ihr nicht Helfer in der zweiten oder dritten Reihe, sondern unsere Kameradinnen und Kameraden.“

Hilfe in den ersten schweren Stunden

Die Mitarbeitenden der Notfallseelsorge und Krisenintervention begleiten Menschen in der ersten akuten Phase – zuhause oder an einem anderen Einsatzort. Sie hören zu, helfen dabei, Angehörige oder andere vertraute Menschen zu erreichen, und bieten auf Wunsch ein Gebet oder einen Abschied von Verstorbenen an. Wenn weitere Hilfe gebraucht wird, vermitteln sie psychologische oder seelsorgerische Angebote. „Wir machen das, um als Menschen für andere Menschen da zu sein“, sagte DRK-Koordinator Reinhold Kovacs. Das Team bilde damit auch ein Bindeglied zwischen den Einsatzkräften und der weiterführenden Unterstützung.

Die evangelische Koordinatorin Konny Buhl sprach von „30 Jahren guter Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Polizei“. In dieser Zeit habe sich auch die Alarmierung verändert – vom Notfallhandy zur digitalen Benachrichtigung über Pager und DE-Alarm: Heute alarmiert die Leitstelle das Team über die Alarmierungskette auch das Kriseninterventionsteam direkt.

Der katholische Koordinator, Diakon Thomas Unkelbach, betonte, dass die derzeit 16 Ehrenamtlichen „rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche“ bereitstehen. Auf ihre Einsätze werden sie gründlich vorbereitet: Die Ausbildung nach den Standards der Psychosozialen Notfallversorgung umfasst 120 Stunden in vier Modulen und eine einjährige Hospitationszeit. Getragen wird die Arbeit vom Deutschen Roten Kreuz sowie der evangelischen und katholischen Kirche, in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern.

Segen für drei Neue und Abschied von Klaus Gäbler

Mit Beate Groß, Melanie Atmann und Wibke Klameth erhält das Team Verstärkung. Im Gottesdienst wurden die drei Frauen in ihren Dienst eingeführt und mit Gottes Segen in ihre Einsätze entsendet. In den Gebeten ging es auch um das, was sie selbst brauchen: Menschen, die ihnen nach belastenden Einsätzen zuhören und sie stärken.

Zugleich dankte das Team Urberachs langjährigem katholischem Pfarrer Klaus Gäbler für seine Mitarbeit in der Notfallseelsorge und verabschiedete ihn aus dem Dienst. Zudem wurde er an diesem Abend mit der Goldenen Ehrennadel der Notfallseelsorge ausgezeihnet. Sein Abschied und die Einführung der drei neuen Ehrenamtlichen zeigten, wovon die Arbeit lebt: Menschen sind füreinander da – am Einsatzort, im Team und über den einzelnen Einsatz hinaus.

Hinter jeder Zahl stehen Menschen

Wie häufig Hilfe gebraucht wird, verdeutlichte Landrat Oliver Quilling mit Zahlen: Etwa 220.000 Anrufe gehen jedes Jahr bei der Leitstelle des Kreises Offenbach ein. Daraus entwickeln sich rund 55.000 Einsätze für Rettungsdienste, etwa 5.000 für die Feuerwehr. Krisenintervention und Notfallseelsorge werden etwa 150-mal im Jahr gerufen – fast an jedem zweiten Tag. Hinter der Versorgung stehen nach Quillings Angaben rund 250 hauptamtliche Kräfte im Rettungsdienst und 1600 Ehrenamtliche in Feuerwehr und Katastrophenschutz. Ihr Zusammenspiel sei für die Sicherheit der Menschen in Stadt und Kreis Offenbach unverzichtbar. Der Landrat dankte dem Team auch mit einem Scheck für die durch Spenden finanzierte psychosoziale Arbeit und der Ehrenamts-Card für die drei neuen Engagierten.

Rödermarks Bürgermeister Jörg Rotter erinnerte daran, dass über belastende Einsätze unter Feuerwehrleuten früher oft nicht gesprochen wurde. Viele hätten versucht, das Erlebte

allein zu verarbeiten; manche kämpften noch über Jahre mit traumatisierenden Erlebnissen. Umso wichtiger sei es, dass es inzwischen Unterstützung gibt.

Dr. Holger Grothe, Vorsitzender des DRK-Kreisverbands Offenbach, blickte auf die Entwicklung des Dienstes in den vergangenen 30 Jahren. Krisenintervention und Notfallseelsorge hätten sich immer wieder auf neue Herausforderungen eingestellt. Als nächsten Schritt nannte er ihre geplante feste Einbindung in den hessischen Katastrophenschutz hessenweit bis Ende 2028.


Hintergrund: Krisenintervention und Notfallseelsorge

Das Team der Krisenintervention und Notfallseelsorge in Stadt und Kreis Offenbach begleitet Menschen unmittelbar nach belastenden Ereignissen, etwa nach plötzlichen Todesfällen, Suiziden, Unfällen, Bränden oder Gewaltverbrechen. Die Hilfe richtet sich an Angehörige, Betroffene, Augenzeugen und Einsatzkräfte. Die Ehrenamtlichen hören zu, bleiben in der akuten Situation ansprechbar und helfen dabei, Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld zu organisieren. Auf Wunsch bieten sie Gebete oder andere passende Rituale an. Bei Bedarf vermitteln sie weiterführende Hilfe. In Stadt und Kreis Offenbach arbeiten das Deutsche Rote Kreuz sowie die evangelische und katholische Kirche dabei seit 30 Jahren zusammen. Derzeit gehören dem Team 16 Ehrenamtliche an. Es ist rund um die Uhr erreichbar und wird über die Leitstelle alarmiert.

Dies könnte Sie auch interessieren

Evangelisches Dekanat Dreieich-Rodgau

Haus der Kirche

Theodor-Heuss-Ring 52
63128 Dietzenbach
Tel. (06074) 48461-0
dekanat.dreieich-rodgau@ekhn.de

Redaktion der Webseite / V. i. S. d. P.:
Fachstellen Öffentlichkeitsarbeit
Kai Fuchs, Tel. (06074) 4846116
Stephanie Kunert, Tel. (06074) 4846117
oeffentlichkeitsarbeit.dreieich-rodgau@ekhn.de  

LEITUNG

 

PRÄSES DER DEKANATSSYNODE
Dr. Michael Grevel
michael.grevel@ekhn.de

DEKAN
Pfr. Steffen Held
Tel. (06074) 4846120
steffen.held@ekhn.de

STELLVERTRETENDER DEKAN
Pfr. Ansgar Leber
Tel. (06074) 4846129
ansgar.leber@ekhn.de  

BANKVERBINDUNG

Ev. Regionalverwaltungsverband
Starkenburg-Ost

DE45 5055 0020 0002 2745 74

HELADEF1OFF

Städtische Sparkasse Offenbach

 

Bitte geben Sie bei Überweisungen immer unsere Rechtsträger-Nr. im Verwendungszweck an: 

RT-Nr. 0900 101398

Ihr Anliegen